Kalkstein im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge bei Dresden – Geologie, Montanhistorie, Bergbauzeugen

49. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen vom 03. bis 04. September 2021 in Radebeul

Nachdem sich der Arbeitskreis Bergbaufolgen mit seiner Präsenztagung im Herbst 2020 dem UNESCO-Weltkulturerbe Rammelsberg und der dortigen Polymetalllagerstätte gewidmet hatte, befasste sich das 49. Treffen mit einem zwar regional bedeutsamen, aber in der öffentlichen Wahrnehmung kaum bekannten Thema: Dem Kalkbergbau im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge bei Dresden.

Die Vorexkursion führte in den „Wigwam Old Shatterhands“, dem Radebeuler Wohnhaus des Schriftstellers Karl May mit der Sammlung von nordamerikanischen Ethnographika im Wild-West-Blockhaus „Villa Bärenfett“ (Foto: H. Grunert).
Die Vorexkursion führte in den „Wigwam Old Shatterhands“, dem Radebeuler Wohnhaus des Schriftstellers Karl May mit der Sammlung von nordamerikanischen Ethnographika im Wild-West-Blockhaus „Villa Bärenfett“ (Foto: H. Grunert).

Dieses stratigraphisch und tektonisch kompliziert aufgebaute Schiefergebirge im Nordteil der Elbezone zwischen der Erzgebirgs- und der Lausitzer Antiklinalzone enthält eine metamorphe, ordovizisch-unterkarbonische Schichtenfolge, deren Geologie heute auf mehreren geologischen Lehrpfaden erwandert werden kann. Im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge mündet auch der im 19. Jh. erbaute Rothschönberger Stolln – der wichtigste Wasserlösestollen des historischen Freiberger Silbererzreviers – in den kleinen Fluss Triebisch, die sich bei der „Porzellanstadt“ Meißen in die Elbe ergießt. Weniger bekannt sind die zahlreichen, kleinräumigen Kalkvorkommen im unteren Triebischtal, welche vermutlich bereits seit dem 13. Jahrhundert abgebaut wurden. Im vergleichsweise kalkarmen Königreich Sachsen hatten derartige Vorkommen einen hohen wirtschaftlichen Wert, wovon die Vielzahl der historischen Kalkwerke im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge zeugt. Heute erinnern nur noch wenige markante Relikte, wie z. B. Brennöfen, aber auch der jetzt noch befahrbare Tiefbau von Miltitz bei Meißen, an die Zeit des einst florierenden Kalkbergbaus und seine Verarbeitung. Nicht zuletzt hat sich auf den kalkhaltigen Halden eine spezielle, kalkliebende Flora ausgebildet. Solche Ensembles sind heute zum Teil als Flächennaturdenkmale geschützt.

Die Exkursionsgruppe am Nationalen Geotop „Porphyrfächer“ bei Mohorn, einer Ignimbritablagerung in der ca. 312 Ma alten Tharandter-Wald-Caldera (Foto: S. Wittwer).
Die Exkursionsgruppe am Nationalen Geotop „Porphyrfächer“ bei Mohorn, einer Ignimbritablagerung in der ca. 312 Ma alten Tharandter-Wald-Caldera (Foto: S. Wittwer).

Zusammen mit dem Geopark Sachsens Mitte – zu dessen Areal die Region heute gehört (https://www.geopark-sachsen.de/de) – organisierte der Arbeitskreis Bergbaufolgen eine spannende Reise in das Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge auf den Spuren des alten Kalkbergbaus mit einer einführenden Vortragssession und zwei untertägigen Befahrungen von ehemaligen Kalkabbauen. Vorträge und Exkursionsführer sind im Tagungsband (M. Kupetz & S. Wittwer: Kalkstein im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge bei Dresden – Geologie, Montanhistorie und Bergbauzeugen. – EDGG 266, Mecke Druck, 124 S.) veröffentlicht.

Das 50. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen findet im Frühjahr 2022 in Neubrandenburg zum Thema „Von Baurohstoffen bis zu seltenen Erden: Bodenschätze und Bergbau in Mecklenburg-Vorpommern“ statt; Programmdetails bald auf https://www.bergbaufolgen.de/.

Stephanie Wittwer, Arbeitskreis Bergbaufolgen
Eva Pretzsch, Geopark Sachsens Mitte