Gips- und Anhydritkarst in der Mansfelder Mulde – Die Wimmelburger Schlotten

23. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen am 23. und 24. Mai 2008 in Hettstedt
(Dr. Manfred Kupetz)

Das 23. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen (23.-24.05.2008 in Hettstedt und Wimmelburg, Sachsen-Anhalt) der DGG hatte bezogen auf die Tagungsregion ein nicht alltägliches Thema. Mit der Mansfelder Mulde verbindet sich normalerweise der legendäre Mansfelder Kupferschieferbergbau. Dass durch ihn eine ganze Reihe von eingangslosen Großhöhlen in den Anhydriten und untergeordnet Gipsen des Zechsteins bekannt geworden ist, gehört auch bei Geologen nicht zum Allgemeinwissen. Die „alten“ Bergleute nannten sie „Mansfeldische Kalkschlotten“, wobei die Bezeichnung Kalk in diesem Zusammenhang der naturwissenschaftlichen Begriffswelt des 19. Jahrhunderts Rechnung trägt. Damals wurden Kalk (im heutigen Sinne), Gips und Anhydrit summarisch unter dem Namen Kalk zusammengefasst.

Für die Vortragsveranstaltung bot das Mansfeldmuseum Hettstedt ein einen stilvollen Rahmen. Die Vorträge vermittelten einen aktuellen Überblick über die Verbreitung und Genese von Gipskarst, beleuchteten Fragen behördlicher Subrosionskataster sowie daraus resultierender Fragestellungen für die geologischen Dienste und widmeten sich schließlich historischen und speläogenetischen Forschungen in den Wimmelburger Schlotten. Eine große Resonanz hatte ein Übersichtsvortrag der Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH Sonderhausen (GVV). Die Gesellschaft widmet sich der Sicherung, Verwahrung, Überwachung und anderen mit dem Altbergbau im Zusammenhag stehenden Fragen des ehemals volkseigenen Bergbaus. Höhepunkt im Mansfeldmuseum war zweifellos die Führung zur Rekonstruktion der ersten deutschen Dampfmaschine Watt’scher Bauart (1785).

Dampffördermaschine im Schacht Wimmelburg (Foto: M. Kupetz)

Dampffördermaschine im Schacht Wimmelburg (Foto: M. Kupetz)

Die Exkursion führte die aus organisatorischen und sicherheitstechnischen Gründen auf 40 Teilnehmer begrenzte Befahrungsgruppe in die Wimmelburger Schlotten. Technisches Highlight war hierbei die Seilfahrt mit der seit 1912 elektrisch betriebenen ehemaligen Dampffördermaschine aus dem 19. Jahrhundert (Abb. 1), denn die Anlage ist keine Museumseinrichtung sondern ein Schacht der noch regulär zur Wahrnehmung von Kontrollaufgaben dient. In den Wimmelburger Schlotten (Abb. 2) selbst erhielten die Teilnehmer einen Überblick über Form und Größe der Schlottenräume, das räumliche Mit- und Nebeneinander von natürlicher Höhle und künstlichem Grubengebäude und die Bedeutung des ebenfalls besuchten Froschmühlenstollens, einer der drei bedeutenden Wasserlösungsstollen in der Mansfelder Mulde. Eine anschließende Übertagexkursion durch das Tal der Bösen Sieben präsentierte eine „grüne Gipskarstlandschaft“, die bisher in der Literatur in dieser Form noch nicht dargestellt wurde.

Räume vom Labyrinthtyp in den Wimmelburger Schlotten (Foto: M. Kupetz)

Räume vom Labyrinthtyp in den Wimmelburger Schlotten (Foto: M. Kupetz)

Die Tagungsmaterialien erschienen in einer neuen Form. Die DGG hat die bisherigen Exkursionsführer und Veröffentlichungen der GGW (bis 2004) bzw. DGG (ab 2004) in „Exkursionsführer und Veröffentlichungen der DGG (EDGG)“ umgewandelt. Die EDGG bildet jetzt neben der Schriftenreihe der Gesellschaft, der SDGG, eine analoge Reihe, die in vergleichbarem Layout und entsprechender Druckqualität erscheint.

Informationen zur Bestellung des Tagungsbandes/Exkursionsführers sind auf der Übersichtsseite des Archivs zu finden.