Von der „Theerkuhle“ zum Ölschacht – Gewinnung von Erdöl und Kalisalz in Niedersachsen

31. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen am 16. und 17. September 2011 in Wietze
(Katrin Kleeberg & Jochen Rascher, Freiberg; Sybille Busch, Spremberg)

„Klein-Texas in der Heide“ wurde der niedersächsische Ort Wietze genannt, als vor knapp 100 Jahren die Erdölförderung ihren Höhepunkt erreichte. Die Gewinnung des Teers aus den Ölsanden bei Wietze und Hänigsen aus sogenannten „Theerkuhlen“ ist jedoch schon seit etwa 300 Jahren belegt. Die Ölvorkommen an den Flanken der Salzstöcke Wietze-Hambühren bzw. Hänigsen waren die Voraussetzung für das Aufblühen der Erdölindustrie im Gebiet.

Das 31. Treffen des AK Bergbaufolgen widmete sich den Bodenschätzen Erdöl und Salz im Raum Wietze-Hänigsen nördlich von Hannover sowie den Folgen, die deren Förderung hinterlassen hat. Die Vortragsveranstaltung am Freitagnachmittag im Deutschen Erdölmuseum Wietze führte zunächst in die Geologie und die Rohstoffvielfalt des Landes Niedersachsen ein. Zu den Bodenschätzen Erdöl und Kalisalz wurde mit dem Blick auf die Welt und auf regionale und lokale Gegebenheiten referiert. Schwerpunkte bildeten dabei die Verwahrung und Nutzung stillgelegter Bergwerke. Der Dia-Vortrag zum Ölboom in Wietze um die Wende zum 20. Jh. am Schluss stimmte auf die Exkursion am Sonnabend ein.

Die Exkursion am Samstag begann mit einer Führung im Erdölmuseum Wietze einschließlich seines großzügigen Freigeländes. Im Anschluss wurden Zeugen der Erdölgewinnung in Wietze besucht: eine Sandkuhle, aus der das Material für die Verfüllung des Ölschachtes Wietze entnommen worden ist und der „Ölberg“, eine Waschsandhalde, von deren „Gipfel“ ein guter Rundblick über das Gebiet möglich war.

Hans Stutzke vom Heimatbund Hänigsen erklärt an einer Teerkuhle (oberflächig austretendes Erdöl) auf dem Kuhlenberg bei Hänigsen das historische „Theerschöpfen“. (Foto: J. Rascher)

Hans Stutzke vom Heimatbund Hänigsen erklärt an einer Teerkuhle (oberflächig austretendes Erdöl) auf dem Kuhlenberg bei Hänigsen das historische „Theerschöpfen“. (Foto: J. Rascher)

Weiter ging die Fahrt nach Hänigsen (Uetze). Im dortigen Teerkuhlenmuseum ist es möglich, die einzige noch funktionierende Teerkuhle in Deutschland zu bewundern. Da die rührigen Mitglieder des Heimatbundes Hänigsen die Kuhle leer gepumpt hatte, konnten die Ölaustritte aus dem Sand direkt beobachtet werden (Abb.) Letzter Exkursionspunkt war die Befahrung der Tagesanlagen des nahegelegenen, derzeit in Flutung befindlichen Kalibergwerkes Niedersachsen-Riedel.

Der Arbeitskreis Bergbaufolgen möchte an dieser Stelle dem Deutschen Erdölmuseum Wietze, dem Heimatbund Hänigsen, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) Niedersachsen, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover sowie der Firma K+S AG, Kassel für ihre Unterstützung und Förderung bei der Planung und Durchführung des gelungenen Treffens danken.

Informationen zur Bestellung des Tagungsbandes/Exkursionsführers sind auf der Übersichtsseite des Archivs zu finden.