Das Tertiär von Röblingen

13. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgelandschaften am 03. Mai 2002 in Stedten
(Dr. J. Rascher, Freiberg; Dipl.-Geoln. K. Kleeberg, Freiberg)

Nachdem 2001 gemeinsam von der Universität Leipzig und der GGW e.V. durchgeführten Workshop zur Tertiärforschung, bestand am 3. Mai 2002 eine weitere Möglichkeit zum Austausch von Arbeitsergebnissen, die von 45 deutschen und niederländischen Tertiärspezialisten genutzt wurde.

Exkursionsgruppe (Tagebau Amsdorf)

Exkursionsgruppe (Tagebau Amsdorf)

Ort und Gegenstand des Gedankenaustausches war das Tertiärvorkommen von Oberröblingen westlich von Halle. Diese Braunkohlenlagerstätte bildete sich im Zeitraum Mitteleozän bis Unteroligozän zwischen dem östlichen Harzvorland und der südlich angrenzenden Querfurter Triasplatte an der Südflanke des Teutschenthaler Sattels in einer halokinetischen Randsenke, die von marinen Sedimenten überdeckt wurde. Die ehemals im heute bereits rekultivierten Tagebau Etzdorf gewonnene bitumenreiche Kohle wird derzeit im Tagebau Amsdorf durch die ROMONTA GmbH Amsdorf speziell für die Montanwachsherstellung abgebaut. Für diese Produktion gibt es eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte. Die ROMONTA GmbH exportiert heute Montanwachse in 40 Länder und deckt damit ca. 80% des Weltmarktbedarfes für Anwendungsbereiche von der Bleichung als Vorstufe für die Weiterverarbeitung bis zur Poliermittel-, Farbmassen- und Bauststoffherstellung.

Im Rahmen der geologischen Landesaufnahme, Blätter GK 25 Schraplau und Erdeborn, erfolgten nach 1990 durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt die Zusammenstellung des umfangreichen Kenntnisstandes und die Dokumentationen der Tagebauaufschlüsse, die für die Stratigraphie und Lagerstättengenese bedeutsam sind.

Rupelprofil (Tagebau Amsdorf)

Rupelprofil (Tagebau Amsdorf)

Aspekte zur Genese, Paläontologie, Sedimentologie, Paläoökologie, Bio- und Lithostratigraphie der Tertiärabfolge von Oberröblingen sowie Fragen zur Salztektonik, zu Biomarkern und zur Palynofazies der Braunkohlen und zum Rohmontanwachs als Rohstoff wurden im Workshop mit folgenden Beiträgen diskutiert:

THOMAE, M.. & VOLLAND, L., Halle: Geologische Lage, Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung des Tertiärs von Oberröblingen.
FRELLSTEDT, H., Oberröblingen: Die ROMONTA GmbH – ein mittelständisches Unternehmen der braunkohlegewinnenden und -verarbeitenden Industrie.
BLUMENSTENGEL, H. & VOLLAND, L., Jena/Halle: Alte und neue Ergebnisse einer Aufschlussdokumentation als Beitrag zur regionalen Geologie und zur geologischen Landesaufnahme des GLA Halle.
KRUTZSCH, W., Berlin: Zur Biostratigraphie, Paläoökologie und Palynologie des Tertiärs von Oberröblingen.
MÜLLER, A., Leipzig: Makrofossil-Assoziationen aus dem Rupelton des Tagebaues Amsdorf.
RIEGEL, W., Göttingen: Die Montanwachslagerstätte von Ione, California, USA.
OTTO, A., Frankfurt/M.: Biomarker aus dem Hauptflöz von Etzdorf-Amsdorf.
VOLKMANN, N., Freiberg: Zur rohstofflichen Herkunft des Rohmontanwachses.

Der Diskussion schloss sich eine ausführliche Befahrung des Tagebaues Amsdorf an, bei der neben tertiärgeologischen Fragen auch Aspekte der Abbauführung und der Wiedernutzbarmachung vorgeführt werden konnten.

Altbergbau (Tagebau Amsdorf)

Altbergbau (Tagebau Amsdorf)

Am nächsten Tag konnte durch eine Gruppe von Spezialisten die Rupel-Sammlung des ROMONTA-Mitarbeiters G. Hohndorf (Halle) besichtigt werden.

Für die hervorragende Unterstützung bei der Organisation des Workshops bedanken wir uns ganz herzlich bei der ROMONTA GmbH Amsdorf und dem Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt.

Informationen zur Bestellung des Tagungsbandes/Exkursionsführers sind auf der Übersichtsseite des Archivs zu finden.