Schicht im Schacht? Der Steinkohlenbergbau an der Ruhr

43. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen vom 16. bis 18. März 2018 in Witten/Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist bekannt für seinen intensiven Steinkohlenbergbau, der auf eine über 1.000 Jahre währende Geschichte zurückblicken kann. Die Entdeckung der Steinkohle im Ruhrrevier ist nicht genau überliefert. Doch die Legende besagt, dass ein junger Hirte seine Schweine im Muttental in der Gegend um Witten gehütet und seine Feuerstelle in einer von der Muttersau aufgewühlten Kuhle angelegt haben soll. Der Sage nach habe das Feuer außergewöhnlich lange gebrannt und selbst am nächsten Morgen noch geglüht. So entdeckte der Junge, dass die Glut nicht nur vom Holz, sondern auch von den schwarzen Steinen rings um die Feuerstelle ausging – der Steinkohle. Im Laufe der Jahrhunderte ließ dieser wertvolle Bodenschatz und seine Verwertung in der Metallurgie die gesamte Region zu einer industriellen Millionenmetropole aufsteigen.

Die Tagungsteilnehmer bei der Vortragsveranstaltung im Parkhotel Witten (Foto: H. Gerschel)

Die Tagungsteilnehmer bei der Vortragsveranstaltung im Parkhotel Witten (Foto: H. Gerschel)

Ende 2018 wird der subventionierte Steinkohlenbergbau in Deutschland aus politischen Gründen endgültig stillgelegt. Gleichzeitig ist die Steinkohle in diesem Jahr aufgrund ihrer jahrhundertelangen wirtschaftlichen Bedeutung, ihrer petrologischen Besonderheiten und der aktuellen politischen Lage zum Gestein des Jahres gekürt worden (vgl. GMit 71/2018, S. 26-27). Dies nahm auch der Arbeitskreis Bergbaufolgen der DGGV e. V. zum Anlass, nach Witten – und damit zu den Wurzeln des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet – zurückzukehren, um an diesem geschichtsträchtigen Ort den Blick auf die Zukunft zu lenken. Einen ersten Einblick in den sich vollziehenden Wandel der Region bot bereits das 25. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen in Kooperation mit dem GeoPark Ruhrgebiet e. V. im Jahr 2009 (vgl. EDGG-Heft 238).

Exkursionsgruppe im Steinbruch Rauen in Witten-Gedern (Foto: H. Gerschel)

Exkursionsgruppe im Steinbruch Rauen in Witten-Gedern (Foto: H. Gerschel)

Das 43. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen der DGGV e. V. fand erneut in Kooperation mit dem GeoPark Ruhrgebiet e. V. zwischen dem 16 und 18. März 2018 im Ringhotel Parkhotel Witten statt. Die Vortragsveranstaltung informierte dabei über die geologische Entwicklung des Ruhrgebietes, aber auch die bevorstehenden Aufgaben der Sicherung und Nachnutzung der Bergbauflächen sowie die montanwirtschaftlich-strategischen Zukunftsperspektiven der Region. Durch insgesamt vier Untertage-Befahrungen in (1) der letzten aktiven Steinkohlen-Zeche des Ruhrgebietes Prosper-Haniel in Bottrop, (2) dem Trainingsbergwerk Recklinghausen sowie den Besucherbergwerken (3) Graf Wittekind in Dortmund-Syburg und (4) Zeche Nachtigall in Witten konnten die Teilnehmer einen flüchtigen Blick in die harte Maloche der Steinkohlenkumpel untertage erhaschen. Darüber hinaus verdeutlichte die geologische Halbtagsexkursion in den Steinbruch Rauen in Witten-Gedern die Stratigraphie und Sedimentpetrologie der oberkarbonischen, flözführenden Schichtenfolge des Ruhrgebietes.

Exkursionsgruppe der Befahrung des Trainingsbergwerkes Recklinghausen (Foto: J. Rascher)

Exkursionsgruppe der Befahrung des Trainingsbergwerkes Recklinghausen (Foto: J. Rascher)

Doch auch wenn am 21.12.2018 die letzte Schicht in der Zeche Prosper-Haniel geschoben und die letzte Kohle aus dem Berg gefödert wurde, werden die Einrichtungen des GeoParkes Ruhrgebiet e. V. und eine Vielzahl weiterer musealer Einrichtungen das geologische und montanhistorische Erbe des Ruhrreviers künftig nicht nur in reger Erinnerung halten, sondern dieses auch dauerhaft und öffentlichkeitswirksam in die Zukunft tragen.

Exkursionsgruppe der Befahrung der letzten aktiven Steinkohlen-Zeche des Ruhrgebietes, Prosper-Haniel (Foto: H. Gerschel)

Exkursionsgruppe der Befahrung der letzten aktiven Steinkohlen-Zeche des Ruhrgebietes, Prosper-Haniel (Foto: H. Gerschel)

In der ganztägigen Vortragssession am 17.03.2018 widmete sich die Referenten aus der der Steinkohlenindustrie, dem geologischen Dienst und der Bergverwaltung von NRW sowie in der Bergbausanierung tätigen Ingenieurbüros – nach einer Einführung zur Geologie des Ruhgebietes – der Stilllegung des Steinkohlenbergbaus in Deutschland, der Nachbergbauliche Nutzung der ehemaligen Grubengebäudeden und Problemen der Nachbergbauzeit. Alle Vorträge sind im Tagungsband (H. Gerschel & V. Wrede [Hrsg.]: Schicht im Schacht? Der Steinkohlenbergbau an der Ruhr. – Exk.f. und Veröff. DGG, Heft 144 Seiten, 113 Abb., 3 Tab.; Hannover/Duderstadt 2018, ISBN: 978-3-86944-181-8, Preis: 29,95 €) einschließlich umfangreicher weiterführender Literatur zum Thema und individuell nachvollziehbaren Exkursionsführern enthalten.

Für die Ermöglichung verschiedener Untertage-Befahrungen und Exkursionen danken wir der RAG Aktiengesellschaft (Befahrung der Zeche Prosper-Haniel und des Trainingsbergwerkes in Recklinghausen), dem Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e. V. (Führung im Besucherbergwerk Graf Wittekind, Dortmund-Syburg) und dem GeoPark Ruhrgebiet e. V. (Führung Zeche Nachtigall und Exkursion im Steinbruch Rauen in Witten-Gedern).

Dr. Henny Gerschel & Dr. Jochen Rascher, Arbeitskreis Bergbaufolgen DGGV e. V.
Dr. Volker Wrede, Nationaler GeoPark Ruhrgebiet e. V.