Hans Carl von Carlowitz und die Nachhaltigkeit – Eine 300-jährige Geschichte

35. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen am 13. und 14. September 2013 in Freiberg
(Katrin Kleeberg, Freiberg; Dr. Jochen Rascher, Freiberg; Dr. Reinhard Reißmann, Freiberg)

Bereits vor über 300 Jahren hat sich der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz mit Problemen des Berg- und Hüttenwesens und der damit zusammenhängenden Waldnutzung beschäftigt. Im Jahr 1713 prägte er in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ den Begriff der „nachhaltenden Nutzung“ in Bezug auf die Forstwirtschaft. Dieser Thematik widmete sich das 35. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen der DGG vom 13.-14.09.2013 in der Bergstadt Freiberg. Der Freitag blieb den Fachvorträgen und anregenden Gespräche am Abend vorbehalten. Am Sonnabend konnten die Teilnehmer während einer ganztägigen Busexkursion erleben, wie der Begriff der „Nachhaltigkeit“ in der Forstwirtschaft und im Bereich des Erzbergbaues im Raum Pöhla bis heute mit Leben erfüllt wird.

Coltan-Kleinbergbau in Zentralafrika: „un“-nachaltige Gewinnung von Tantal für europäische Handys (Foto: beak consultants GmbH Freiberg)

Coltan-Kleinbergbau in Zentralafrika: „un“-nachaltige Gewinnung von Tantal für europäische Handys (Foto: beak consultants GmbH Freiberg)

Die Vorträge spannten den Bogen von der Persönlichkeit des Oberberghauptmannes v. Carlowitz bis zum Umgang mit dem Nachhaltigkeits-Begriff in der heutigen Zeit anhand akueller Beispielen aus Forst- und Bergwirtschaft. Neben den wirtschaftlichen Aspekten wurden auch soziale und ethische Bereiche thematisiert. Weitere Vorträge befassten sich mit der realen Situation der Nachhaltigkeit im Kontext der Rohstoffgewinnung und damit verbundener Probleme in Deutschland. Der moderne Nachhaltigkeitsbegriff des 21. Jahrhunderts, die Verbindung wirtschaftlichen Fortschritts mit sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz der natürlichen Umwelt, geht keinesfalls mit der hiesigen „Ideologie“ einer scheinbaren Ökologisierung der Wirtschaft konform. Bergbau auf hightech- und Industrierohstoffe findet weitestgehend im Ausland statt, dadurch entstehende Umweltprobleme werden ebenso dem Ausland überlassen. Die einseitige Akzeptanz „sauberer“ Industrie in Deutschland steht dabei im extremen Widerspruch zum enormen Rohstoffbedarf der Bundesrepublik und dem überwiegend dem heimischen Bergbau zugewiesenen „Schmuddelimage“. Dabei bietet das Bundesberggesetz sowohl für die Vorbereitung und Durchführung von Bergbauprojekten als auch für die postmontanen Nachfolgearbeiten zahlreiche, im globalen Maßstab beispielhafte Regelungen unter umfangreicher Bürgerbeteiligung. Es wurde dargestellt, dass die Nichtnutzung bauwürdiger Lagerstätten an benötigten Rohstoffen in Deutschland die volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler rohstoffexportierender Länder eher verstärkt und damit als eine verschleierte Form des Neokolonialismus verstanden werden kann. In Deutschland hingegen huldigen wir einerseits den hehren Prinzipien der Nachhaltigkeit, importieren aber andererseits Bodenschätze oder Waren und interessieren uns kaum, ob der Nachhaltigkeitsgedanke im Ursprungsland ausgewogen umgesetzt wird. Es wurde dafür plädiert, dass zukunftsorientierter Bergbau auch in Deutschland als Realisierungsmittel des modernen Nachhaltigkeitsprinzips unverzichtbar ist. Er ermöglicht primäre Wertschöpfungsketten und bedarf damit auch einer gezielten, insbesondere staatlichen, Förderung.

Erwähnenswert ist aus dem Tagungsband (K. Kleeberg & B. Cramer (Hrsg.): Hans Carl von Carlowitz und die Nachhaltigkeit: Eine 300-jährige Geschichte. – Exk.f. und Veröff. DGG, Heft 250: 92 Seiten, 38 Abb., 10 Tab., 2 Taf., Hannover/Duderstadt 2013, [ISBN: 978-3-86944-102-3, Preis: 24,95 €) ein fast acht Jahrhunderte lang funktionierendes Beispiel zum Verhältnis von Ökonomie und Sozialem in der Forstwirtschaft. Die Gründung des St.-Johannis-Hospitals im Jahre 1227 in Freiberg und die darauf zurückzuführende Stiftung mit dem Zweck der Pflege gebrechlicher und kranker Personen gibt es bis heute. Bei gewinnbringender Bewirtschaftung des Stiftungskapitals (Hospital-)Wald können Überschüsse in die Seniorenheime Freiberg gGmbH fließen. Eine nachhaltige Waldnutzung ist dafür notwendige Voraussetzung schon seit Jahrhunderten.

Informationen zur Bestellung des Tagungsbandes/Exkursionsführers sind auf der Übersichtsseite des Archivs zu finden.