Energie aus heimischen Brennstoffen: Der Braunkohlentagebau Cottbus-Nord und die Lausitzer Landschaft nach der Braunkohle

38. Treffen und 20 Jahre Arbeitskreis Bergbaufolgen am 29. und 30. Mai 2015 in Cottbus
(Dr. Jochen Rascher, Arbeitskreis Bergbaufolgen DGGV e. V.)

Mit dieser Tagung kehrt der Arbeitskreis Bergbaufolgen nach 20 Jahren in die Lausitzer Braunkohlenregion zurück, in der 1995 mit der Veranstaltung „Geowissenschaftliche Probleme der Bergbaufolgelandschaften im Raum Weißwasser/Oberlausitz“ (Exkurs.f. u. Veröfftl. GGW Nr. 196) in Bad Muskau die Erfolgsgeschichte dieser Tagungsreihe begann. Seitdem konnten fast 3.000 Fachleute aus der Rohstoffwirtschaft, von Hochschulen und Universitäten, aus Genehmigungsbehörden und Geoconsultingbüros auf Vortragssessions und Exkursionen das Thema Bergbaufolgen diskutieren und ihre Erfahrungen dazu austauschen. Neben den Bereichen des Braun- und Steinkohlenbergbaus, der Uran-, Erz- und Kali & Salz-Gewinnung, dem Steine-und-Erden-Bergbau wurden auch verwandte Themen wie Geo-Edutainment & Geoparks sowie die Endlagerproblematik für radioaktive Stoffe thematisiert.

Zwischen 1995 und 2015 hat sich die Sicht auf die Braunkohlenverstromung durchaus differenziert und für den Fachmann oft nicht nachvollziehbar entwickelt. Nach der derzeit regierungsseitig propagierten sogenannten Energiewende möchten einige Befürworter lieber heute als morgen Braunkohlenkraftwerke vom Netz nehmen, ohne dass man einen nachhaltigen und realisierbaren Plan erkennen kann, wie danach eine sichere und bezahlbare Stromversorgung für den Industriestandort Deutschland zu gewährleisten ist.

Dabei geht vollständig unter, dass auch jetzt schon Braunkohlentagebaue stillgelegt werden, wenn die Lagerstätten ausgekohlt sind. Allerdings erfordert ein solches Vorhaben keinen energiepolitischen Aktionismus, sondern langjährige seriöse ingenieurtechnische Planung für die Maßnahmen vor und nach der Außerbetriebnahme, um die Bergbauflächen/Restlöcher für zukünftige Generationen sicher   nutzbar in unsere Kulturlandschaft einzufügen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der unmittelbar östlich der Stadt Cottbus gelegene Vattenfall-Tagebau Cottbus-Nord, der 34 Jahre lang die Brennstoffversorgung des Braunkohlenkraftwerk Jänschwalde sicherte und aus dem am 23.12.2015 der letzte Kohlenzug ausfahren wird.

Die Vorträge der Arbeitskreistagung schlugen den Bogen von den geologischen Voraussetzungen für den Braunkohlenbergbau in der Lausitz über die notwendigen planerischen, technischen und genehmigungsrechtlichen Arbeiten für ein ordnungsgemäßes Auslaufen des Braunkohlentagebaues Cottbus-Nord bis zur Formung einer nachhaltigen Lausitzer Landschaft nach dem Bergbau unter Bewahrung regionaler Natur- und Kultureigenheiten der Region. Vorangestellt war eine Diskussion zur Verstromung Lausitzer Braunkohlen unter den gegenwärtigen energiepolitischen Rahmenbedingungen aus Sicht des Landes Brandenburg und des Braunkohlenbergbaus.

Die Exkursionsgruppe vor der Gewinnungstechnik im Vattenfall-Braunkohlentagebau Cottbus-Nord, der im Dezember 2015 nach 34 Jahren Kohlenförderung planmäßig außer Betrieb gehen wird (Foto: Glaschker).

Die Exkursionsgruppe vor der Gewinnungstechnik im Vattenfall-Braunkohlentagebau Cottbus-Nord, der im Dezember 2015 nach 34 Jahren Kohlenförderung planmäßig außer Betrieb gehen wird (Foto: Glaschker).

Die Exkursion bot eine der letzten Möglichkeiten, den Braunkohlentagebau Cottbus-Nord zu befahren und dabei tertiäre und quartäre Geologie zu besichtigen. Der Besuch von Rekultivierungsobjekten in der Spreeaue, im zukünftigen „Cottbusser Ostsee“ und auf der Innenkippe des Tagebaues Jänschwalde zeigte, wie technische Möglichkeiten und fachliches Know-how des Bergbautreibenden und der durch ihn einbezogenen Ingenieurbüros für eine ökologisch vielfältige Gestaltung der Lausitzer Kultur- und Bergbaufolgelandschaft genutzt werden können: Die Spreeauen-Renaturierung nördlich von Cottbus ist mit einer Fläche von 400 ha und 49 Einzelmaßnahmen das größte Renaturierungsprojekt im Land Brandenburg. Am „Grünen Herz“ auf der Innenkippe des Tagebaus Jänschwalde wurde die naturnahe Begrünung der Kippsubstrate durch Mahdgutübertragung vorgestellt; eine innovative Kulturtechnik für Renaturierungen und naturräumliche Restitutionsmaßnahmen, mit der Pflanzengemeinschaften erhalten und neu angesiedelt werden, die der historisch gewachsenen geobiologischen Ausstattung des Naturraumes entsprechen.

Alle Vorträge sind im Tagungsband (S. Busch, R. Grosser, B. Schroeckh & J. Rascher [Hrsg.]: Energie aus heimischen Brennstoffen: Der Braunkohlentagebau Cottbus-Nord  und die Lausitzer Landschaft nach der Braunkohle. – Exk.f. und Veröff. DGG, Heft 254: 144 Seiten, Hannover/Duderstadt 2015, ISBN: 978-3-86944-153-5, Preis: 29,95 €) einschließlich umfangreicher weiterführender Literatur zum Thema und einem individuell nachvollziehbaren Exkursionsführer enthalten. Der Tagungsband bietet außerdem eine Auflistung aller Veröffentlichungen aus 38 Tagungen des Arbeitskreises Bergbaufolgen seit 1995 in verschiedenen Rohstoffbereichen.

Für die fachliche Unterstützung und sonstige Förderung der Veranstaltung, nicht zuletzt für lukullische Überraschungen bei der Exkursion,  bedanken wir uns besonders bei der Vattenfall Europe Mining AG Cottbus, dem Ingenieurbüro für Renaturierung Gerstgraser  Cottbus sowie der NagolaRe GmbH Jänschwalde.

Informationen zur Bestellung des Tagungsbandes/Exkursionsführers sind auf der Übersichtsseite des Archivs zu finden.