Vom Silber zum Lithium – historischer und neuer Bergbau im Osterzgebirge

44. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgen vom 21. bis 22. September 2018 in Dippoldiswalde

Das 44. Treffen des AK Bergbaufolgen punktete mit der schon bewährten Mischung aus anspruchsvollen und vielseitigen Vorträgen und einer abwechslungsreichen Ganztagsexkursion.

Das Osterzgebirge war im Mittelalter eine weitgehend unerschlossene Region mit unwirtlichem Klima – also ein Ort, der Menschen zunächst eher abschreckte, als anzog. Die Besiedlung des Gebirges schritt jedoch mit der Entdeckung reicher Silbererze vom 12. Jahrhundert an immer weiter voran. Vor wenigen Jahren wurde ein uraltes Silberbergwerk unter der kleinen Stadt Dippoldiswalde im Osterzgebirge wiederentdeckt, dessen Zeugnisse seitdem intensiv montanarchäologisch untersucht werden. Doch im Osterzgebirge gibt es auch „lebendigen“ Bergbau: So werden nach wie vor Bodenschätze gewonnen und die Erkundung von Erzen und Hochtechnologierohstoffen erlebt seit mehr als 10 Jahren einen rasanten Aufschwung.

Das 44. Treffen des AK Bergbaufolgen stand unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Jens Peter der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde, die in diesem Jahr ihr 800-jähriges Jubiläum feiert. Mitveranstalter war der Förderverein mittelalterlicher Bergbau in Dippoldiswalde e. V..

Teilnehmer der Vortragsveranstaltung zum 44. Treffen des AK Bergbaufolgen

Teilnehmer der Vortragsveranstaltung zum 44. Treffen des AK Bergbaufolgen

Die Fachvorträge am Freitag, den 21.09. im Kulturzentrum „Parksäle“ der Stadt Dippoldiswalde, zeigten das große Spektrum des Bergbaugeschehens im östlichen Erzgebirge auf. Zahlreiche Geschichten und Fakten zum historischen und aktuellen Bergbau im Osterzgebirge, von der spektakulären Entdeckung und montanarchäologischen Erforschung des Dippoldiswalder Silberbergwerkes aus dem 12. Jahrhundert bis zu den neuen Bergbauvorhaben auf Zinn und Lithium wurden den rund 60 Teilnehmern eindrucksvoll nahegebracht. Den Einstieg in die geologischen Besonderheiten des Osterzgebirges und die Entstehung der Lagerstätten gab Prof. Dr. Klaus Stanek (TU Bergakademie Freiberg). Der historische Silberbergbau in Dippoldiswalde und der vom Bergbau geprägte Landschaftswandel waren die Vortragsthemen von Volkmar Scholz (Sächsisches Oberbergamt) und Mathias Bertuch (Landesamt für Archäologie Sachsen). Zu früheren Rohstofferkundungen und Bergbauversuchen auf Erze und Spat gab Dr. Reinhard Reißmann (Beak Consultants GmbH) einen guten Einblick, inklusive kritischer Hinweise zur Genese der Spatmineralisationen. Sachsens Oberberghauptmann, Prof. Dr. Bernhard Cramer, zeigte eindrucksvoll die Entwicklung und Verstetigung des „Neuen Berggeschreys“ in Sachsen. Aktuelle Beispiele dazu präsentierten Anja Ehser (Tin International AG) für das Lithium-Zinn-Vorkommen Sadisdorf und Dr. Thomas Dittrich (Deutsche Lithium GmbH) für das Bergbauprojekt Zinnwald. Der Beitrag von Dr. Uwe Lehmann (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) zum seit Jahrhunderten betriebenen Bergbau auf Baurohstoffe (Steine und Erden) rundete den Vortragsteil des Treffens ab.

Exkursionsgruppe vor dem Rathaus der Bergstadt Dippoldiswalde und eine Tafel des dortigen Bergbaulehrpfades (kleines Bild)

Exkursionsgruppe vor dem Rathaus der Bergstadt Dippoldiswalde und eine Tafel des dortigen Bergbaulehrpfades (kleines Bild)

Während der ganztägigen Exkursion am Sonnabend, den 22.09., konnten die Teilnehmer die Vielfalt des Bergbaugeschehens im östlichen Erzgebirge hautnah erleben. Während einer Stadtführung zeigte Torsten Heckler (Förderverein mittelalterlicher Bergbau Dippoldiswalde e. V.) Abschnitte des neuen Lehrpfades zum mittelalterlichen Bergbau in „Dipps“. Mit dem Exkursions-Bus ging es dann zu verschiedenen Aufschlüssen der früheren Gold-, Buntmetall- und Anthrazitgewinnung im Osterzgebirge. Höhepunkt und Abschluss war die Befahrung des Besucherbergwerkes „Vereinigt Zwitterfeld“ in Zinnwald, direkt im Gebiet des neuen Lithium-Bergbauprojektes gelegen.

Exkursionsgruppe vor der ehemaligen Bergschmiede des Tiefen Bünau Stolln in Altenberg

Exkursionsgruppe vor der ehemaligen Bergschmiede des Tiefen Bünau Stolln in Altenberg

Alle Vorträge, weiterführende Beiträge und der individuell nachvollziehbare Exkursionsführer sind im Tagungsband (EDGG Heft 260) enthalten, der über den Verlag Mecke Druck sowie im Buchhandel erworben werden kann.

Die Veranstalter danken dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde für die großzügige Förderung der Veranstaltung.

Mit herzlichem Glückauf

Katrin Kleeberg, Freiberg
Arbeitskreis Geowissenschaftliche Aspekte in Bergbaugebieten (AK Bergbaufolgen) der DGGV